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Heute habe ich eine interessante Erfahrung gemacht. Nämlich die, dass obwohl die meisten Leute um mich herum, mich gerne immer wieder dazu anspornen doch etwas spontaner und flexibler zu sein, die mich geradezu dazu anhalten, nicht immer nur an Konsequenzen und Nebenerscheinungen zu denken, sprich gerne hätten, wenn ich einfach mal locker lassen würde, sie alle damit ein Problem haben, wenn es mal passiert.
Denn schliesslich passt das nicht zu dem was sie von mir denken, wie sie mich sehen.

Gestern war ich auf einer Party mit haufenweise lässigen Leuten. Die meisten von ihnen kenne ich seit einigen Jahren, und es war wirklich eine entspannte und nette Atmosphäre. Es hat sich also ergeben, dass 2 Mädels meinten sie würden mir eine Glatze rasieren und ich hab einfach nur "Ok" gesagt und die beiden machen lassen. Ja, zu dem Zeitpunkt war ich nüchtern und Herr meiner Sinne, es war eine bewusste Entscheidung.
Denn letztlich wachsen Haare wieder nach und es wäre zu schade gewesen, sich diese Chance entgehen zu lassen. Und ein entscheidender Faktor war einfach, dass niemand auf dieser Party dazwischen gegangen ist und fragte "Bist du dir da wirklich sicher?" oder "Hast Du dir das genau überlegt?".

Als die Schläfen und umliegendes Terrain meines Schädels freigeräumt waren, haben die Mädels eine Pause eingelegt und gemeint, das würde jetzt gut aussehen und sie würden es so lassen. Die anderen Partygäste haben sich das angeschaut und genickt und gegrinst, aber waren der selben Meinung. Wir nannten es einen breiten Irokesen, und das war es. Alle nahmen die neue Frisur als gegeben hin.

Womit wurde ich heute konfrontiert, als meine Family den neuen Schnitt zu Gesicht bekommen hat? Entsetzte Gesichter. Vors Gesicht geschlagene Hände und tiefes aufkeuchen. "Hast Du eine Wette verloren?". "Wieso hast Du das zugelassen, warst du schon so betrunken?".
Warum die Reaktion? Weil man sich von mir nicht erwartet, dass ich mit sowas auftauche.
Und zugegebener Maßen, auch weil es wirklich sehr seltsam aussieht. Nicht bloß ungewohnt, sondern einfach wirklich eigenartig. Was solls, lass ich es halt mal beim Friseur nachbessern, damit das eine runde Sache ist. In ein paar Wochen ist der Spuk vorbei.
Aber wohl nicht für diejenigen, die nicht damit rechnen konnten, dass ich so einen "Akt des Vandalismus" zulassen würde. Die sind eher enttäuscht.

Genau dies Enttäuschung aber ist der Grund dafür, dass ich mich mit solchen Aktionen dermassen zurück halte. Ich bin den Leuten zwar zu zurückhaltend und brav, aber ein Ausbruch aus diesem Schema ist auch nichts was mit offenen Armen empfangen wird. Selbst, wenn man sich im Laufe eines Nachmittags an den neuen Look gewöhnt.

Ich weiß nicht, in wie Fern sich dieser gestrige Abend und die dort gefällte Entscheidung sich langfristig auswirkt. Ob ich mir nun endlich die Freiheit eingestehe wieder schräge Aktionen zu liefern, wie es manche Leute eigentlich von mir gewohnt sein sollten. Ich befinde mich zur Zeit in einer besonderen Phase meines Lebens. Denn ich habe erst kürzlich erkannt, dass ich tatsächlich lebe und dieses Leben auch ausleben sollte, bevor es vorbei ist. Manche nennen es Quarter-life-Crisis. Ich sehe es aber nicht als Krise an, sondern als Fortschritt und Befreiung, mich nicht länger für eine Zukunft zu opfern, die ich nie erlebe, wenn ich meine Träume und Wünsche nicht in die Realität umsetze.

Vielleicht ist nun wirklich der Punkt gekommen, wo ich genug davon habe, mein Leben für andere zu leben und für das was sie sich von mir erwarten. Vielleicht ist das hier nicht bloß eine Frisur, sondern eben doch mehr "ein kleiner Schnipp für mich, eine große Rasur für die Menschheit".

- BM out -

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