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In letzter Zeit haben sich die Gespräche und Diskussionen um mein Junggesellentum ziemlich gehäuft. Ob nun bei Familienfeiern oder im kleinen Rahmen mit Freunden, immer wieder werde ich damit konfrontiert, ob ich es nicht mittlerweile satt habe alleine zu sein.

Wie man sich nun gut vorstellen kann, ist die Antwort darauf: Nein.
Ich bin weiterhin begeisterter Solist, denn die seltenen Fälle in denen ich mich alleine und einsam fühle, wiegen meiner Meinung nach, die Vorteile einer Beziehung einfach nicht auf. Das ich nie einsam wäre, würde ich ja auch gar nicht behaupten, und an die Annehmlichkeiten von Zweisamkeit kann ich mich durchaus noch erinnern.

In den Gesprächen, die eigentlich fast ausschliesslich mit Frauen geführt werden, und zumeist auch noch von ihnen losgetreten werden, wird mir stets vorgeworfen, ich wäre zu rational. Das ist grundlegend richtig, auch wenn ich es weniger als Vorwurf, denn mehr als Kompliment auffasse. Aber die Kritik hat in einem Punkt schon recht: Herzensdinge kann der Kopf nicht richtig erfassen oder entscheiden.
Für mich ist das aber kein Problem, da ich eben sage, dass ich lieber Entscheidungen mit einem ruhigen Kopf als mit einem pumpernden Herzen treffe :)

Die Gründe, warum ich mich seit nun bald 3 Jahren nicht nur weigere eine Beziehung einzugehen, sondern viel mehr mich von den Frauen gänzlich fern halte, sind manigfaltig.
Natürlich ist es einfach mittlerweile eine Routine und Gewohnheitssache, plötzlich das Leben mit jemandem teilen und Zeit und Aktivitäten neu zu orientieren wäre schon eine ordentliche Umstellung. Zum anderen finde ich mich zur Zeit einfach in einem blöden Alter ... schliesslich führt eine langfristige Beziehung da mitunter schon auch in Richtung "prüfe wer sich ewig bindet" und so weiter. Auch ist der Mangel an wirklich interessanten Frauen eine Erwähnung wert, das hat mich vielleicht früher nicht gestört, aber mittlerweile sehe ich das halt ein wenig anders.
Etwas das wohl aber auch den größten Einfluss hat, ist einfach etwas, dessen ich mir selbst erst vor kurzem wirklich bewusst geworden bin. Ich bin quasi "emotional verkrüppelt". Damit meine ich, dass mich meine bisherigen Beziehungen und Liebschaften gelehrt haben, mich nicht darauf einzulassen. So eine Selbstschutzsache halt, schliesslich haben die allesamt keine Vorbildfunktion für langanhaltente wahre Liebe und Treue.
Außerdem habe ich mich in meiner letzten Beziehung daraufhin konditioniert einfach immer weniger zu erwarten, mir immer weniger erwiderte Liebe erhoffen, froh zu sein einfach in ihrer Nähe sein zu können, immer weniger und weniger ...bis ich eben anscheinend nun den Punkt erreicht habe, dass ich eben gar nichts mehr erwarte.
Das sind nur ein paar der Punkte deren ich mir selbst bewusst bin, und es gibt bestimmt noch einige Faktoren die ich bislang noch nicht mal wahrgenommen habe. Aber da ich mich selbst ständig analysiere und hinterfrage, komme ich da wohl auch noch dahinter.

Jedenfalls wie man sieht, spricht vom rein rational-logischen Standpunkt nicht wirklich viel dafür, wenn ich mich auf Partnersuche begeben würde.

Und wer nun das Aber erwartet, wird zufriedengestellt. Aber, meine Mum hat gestern ein interessantes Argument ins Rennen geworfen. Vorweg sei gesagt, dass es meiner Mum ziemlich egal ist was ich anstelle, solange es mich glücklich macht. Deswegen ist sie auch eine ziemliche Gegnerin meiner Arbeitsstelle, aber das ist ein anderes Kapitel :)
Meine Mum jedenfalls, meinte, dass Gedanken genauso ihre Spuren hinterlassen, wie ein Wanderer auf einer Wiese. Wenn man einmal drüber marschiert stellen sich die Grashalme wieder auf und keiner merkt was. Wenn man einen gewissen Pfad immer wieder entlang geht tritt man das Gras platt und irgendwann wird daraus ein richtiger Weg den man immer einschlägt.
Wenn ich mich also stets gegen die Idee, mich jemandem zu öffnen und bereit für eine Beziehung zu sein, stelle, wird daraus ein breitgetretener Weg den zu verlassen immer schwieriger wird. Und wenn dann irgendwann der Zeitpunkt kommt, wo ich mich öfter als nicht einsam und verlassen fühle, werde ich niemanden an mich ranlassen können, der was daran ändert. Und das ist ja wohl eindeutig eine Situation, in der ich bestimmt nicht sein möchte.

Das sich die Situation nicht mit einem Fingerschnippsen ändert ist klar ...aber ich denke ich habe einen gewissen Vorteil bei der Hand. Wenn ich mich dieser Erklärung nämlich von einem rein rational-logischen Standpunkt nähere und das ganze verinnerliche, müsste ich mich ja logischer Weise wieder zu einem offeneren und flirtfreudigeren Typen wandeln. Und somit verwende ich das Mittel, dass es mir bislang erschwert hat, einfach als Werkzeug für produktivere Zwecke.
Die Frage ist, ob Logik sich gegen Logik wenden kann und mit der Gewichtung von langfristiger rationaler Wichtigkeit sich selbst und die Tore zu meinem Herzen aus den Angeln hebt.

- BM out -

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